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Age of Sigmar Rezension: meine Einschätzungen nach den ersten Spielen

Der totale Neustart und die kostenlosen Regeln haben erstmals mein Interesse an Warhammer Fantasy geweckt. Die Veränderung ist drastisch, selbst für GW, aber es musste etwas passieren, die Verkaufszahlen von Fantasy sind einfach derart im Keller.

Ich werde an dieser Stelle nicht über die Modelle selbst sprechen, das haben schon andere getan (Siehe Tale of Painters und Eternal Hunt). Stattdessen möchte ich meine Einschätzungen über das Spiel selbst, die Spieldynamik und die weitere Entwicklung wiedergeben. Ich habe zwei Probespiele mit dem neuen Age-of-Sigmar(AoS)-Set machen können. Ich führte beide Male die Chaoseinheiten gegen die neuen Sigmariten in die Schlacht.

age-of-sigmar-starter-box-1

Positiv fällt auf, dass das Spiel sehr intuitiv gestaltet worden ist und sich so sehr schnell spielt. Auf den Warscrolls finden sich sämtliche relevanten Regeln für das jeweilige Modell oder die Einheit wieder. Das ist übersichtlich und verbessert den Fluss des Spiels sehr, keine nervigen Regelsuchereien mehr. Die daraus resultierende Übersichtlichkeit vereinfacht den Einstieg für neue Spieler und genau das muss das Ziel von GW für AoS sein: neue Spieler zu gewinnen, um die Spielerbasis zu vergrößern und damit letztendlich auch den Umsatz. Ich persönlich finde es auch sehr gut, dass alle Helden nun eine eigene Einheit bilden, sodass sie sich nicht mehr hinter riesigen Infanterieeinheiten verstecken können. Durch das abwechselnde Zuschlagen im Nahkampf muss jeder Spieler entscheiden, wo er zuerst zuschlagen möchte. Hier muss man also Prioritäten richtig setzen. Die Nahkampfphase birgt so einiges an taktischen Finessen, die es auszunutzen gilt. In der Battleschockphase müssen alle Einheiten, die Modelle verloren haben, testen, ob sie weitere Modelle verlieren. Dies trägt dazu bei, dass schneller Modelle entfernt werden, was positiv ist, da das Spiel, dessen Ziel die Vernichtung des Gegners ist, sich ansonsten zu sehr hinziehen würde. Alles in allem sind dies sehr interessante Veränderungen, die sehr viel Potential für das neue System bergen. Allerdings ist uns allen hoffentlich klar, dass noch weitere Grundregeln folgen müssen, die die vielen noch offenen Fragen beantworten.

Es gibt leider auch einige Kritikpunkte. Die Umstellung auf Rundbasen, wenn auch vielleicht aus GW-Sicht nachvollziehbar (Dämonenspieler werden sich auch freuen!), hat leider zur Konsequenz, dass die Ausrichtung keine Rolle mehr spielt und AoS daher sehr an 40K erinnert. Es ist m. E. verlorenes Potential, dem Spiel mehr taktischen Tiefgang durch das geschickte Manövrieren der Einheiten zu geben. Wieder positiv anzumerken ist, dass alle Flächenwaffen aus dem Spiel entfernt worden sind, im Gegenzug aber eine erhöhte Zufälligkeit besteht, da Waffen nun W3 oder W6 Schaden machen. Als Resultat kann man jedoch weiterhin die alten Infanterieblocks auf Eckbasen mit den Rundbasen spielen, ohne für die enge Aufstellung Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

Der größte Kritikpunkt gilt allerdings den im Set enthaltenen Figuren. Als Einsteiger bzw. Käufer des Sets möchte man mit dieser Box, zusammen mit einem Freund, sofort anfangen zu spielen. Allerdings ist das Set leider völlig unausgewogen. Diese Einstellung teilen auch andere Spieler, die schon mehr Testspiele als ich gemacht haben. Im Set sind 18 Sigmariten und 29 Chaoten enthalten. Wenn man davon ausgeht, dass man alle Modelle aus dem Set benutzen soll, dann steht den Sigmariten die Option „Sofortiger Sieg“ zur Verfügung. Das vereinfacht die Siegoptionen für die Sigmariten ungemein. Des Weiteren haben die Sigmariten bessere Einheiten, die beweglicher sind und über einige Beschuss- bzw. Zaubermöglichkeiten verfügen und so vielseitiger sind als die Chaoten, die nur in den Nahkampf gehen können. Darüber hinaus ist das absolut beste Modell der Box „der Sigmar auf Kriegskatze“(Lord-Celestant Vandus Hammerhand), der die Chaoten in Sachen Nahkampfoutput verblassen lässt. Die 20iger Einheit Bloodreavers/Kultisten kann man hingegen total vergessen. Auch bei meinem zweiten Spiel, in dem ich alle Kultisten als Blood Warriors/Berserker geproxt habe, war der Kampf aussichtslos. Es wäre zu wünschen gewesen, dass wenigstens die im Set enthaltenen Einheiten aufeinander abgestimmt sind, um möglichst viel Spielspaß in ein Set zu packen. Das ist leider nicht der Fall.

Das AoS-Set offenbart auch schon einiges über das Balancing des Systems allgemein. Die Anzahl der Modelle spielt eine wichtige Rolle. Man stellt abwechselnd Einheiten auf. Irgendwann hört einer der beiden Spieler auf, Einheiten zu platzieren. Daraufhin ist der logische Schritt für den anderen Spieler, sich zu entscheiden, ob er entweder weiter Modelle aufstellt, sodass er mehr (aber nicht mehr als ein Drittel) Modelle als der Gegner hat, um die Siegoption „Sofortiger Sieg“ für sein Gegenüber zu umgehen, oder ob er seine gesamte Sammlung aufstellt. Ersteres werden wohl die meisten machen. Beides ist nicht wirklich fair. Da Einheiten keine Punkte mehr haben, sind 10 Men-at-Arms gegenüber 10 Ogern erst einmal gleichwertig, allerdings sind die 10 Men-at-Arms für sich genommen natürlich viel schlechter als 10 Oger. Der Trend geht m.E. also erst einmal tendenziell zu Elitemodellen, denn wer möchte schon freiwillig und als erster 40 Men-at-Arms auf das Spielfeld bringen, nur damit der Gegner daraufhin eine beliebige Zusammenstellung aus 40 Helden und Elitemodellen aufstellen darf? Natürlich hat jede Armee, so hat es den Anschein, gute Optionen gegen Elitearmeen vorzugehen, sodass auch schlechtere Masseneinheiten situativ eine Berechtigung haben, aufgestellt zu werden. Allerdings sind Modelle mit mehreren Wunden klar im Vorteil, weil sie durch ihre Wunden das Balancing, das auf der Grundlage der Anzahl von Modellen besteht, effektiv umgehen. 10 Oger mit je 4 Lebenspunkten sind nicht gleich 10 Men-at-Arms mit je einem Lebenspunkt. Die Frage bleibt also, warum sollte man schlechtere Modelle aufstellen, wenn es bessere gibt? Hier ist klar, es werden noch weitere Regeln von GW folgen müssen, denn sonst wird der oben beschriebene Sachverhalt jedem Einsteiger auffallen und dazu führen, dass man an der Sinnhaftigkeit des Systems zweifeln wird. Auch müssen Helden und Zauber eingeschränkt werden, ansonsten würde ich, als Bretonenspieler, für jedes Modell des Gegners eine „Damsel of the Lady“ aufstellen, die dann alle Arkanen Geschosse auf die Gegner zuschießen lassen, jeweils mit W3 automatischen Wunden ohne Rüstungswurf.

Hier wird GW also noch nachlegen. Es gibt ja auch schon das eine oder andere Gerücht diesbezüglich. GW hätte aber auch selbst auf die Idee kommen können, rund um die Veröffentlichung von AoS mehr über das neue System und die weitere Entwicklung zu kommunizieren. Dies hat GW aber nicht getan. So hat GW nun das Feld und die Deutungshoheit anderen überlassen. Das Netz ist schon voller, zum großen Teil negativer Reaktionen, weil vor allem die alteingesessenen Fans sich alleingelassen und vor den Kopf gestoßen fühlen. Dieses Problem hätte mit mehr Transparenz einfach umgangen werden können. Allein die Diskussion, ob man die Basen von Modellen aufeinander stapeln kann, ist total hirnrissig, zeigt aber, wie viel Spielraum für Interpretationen GW leider offengelassen und damit das eigene System torpediert hat.

Gemessen wird von Base zu Base. Punkt. Keiner will, dass der Gegner seine Modelle auf die eigenen, zum Teil aufwendig modellierten Basen stellt. Und ein 10cm langer Schwanz oder Speer gehört nicht zum Modell. Sorry.

Ach und dann noch die witzigen Regeln einiger Modelle, z.B. die der Gralsritter: „Gralsgelübde – du darfst für diese Einheit alle misslungenen Trefferwürfe wiederholen, wenn du, bevor du die Würfel wirfst, einen Gral, Kelch oder Becher in die Höhe hältst und mit heroischer Stimme „Für die Herrin!“ rufst.“ Obwohl ich jetzt kein sonderlich großes Problem damit hätte, mit einem Kaffee Togo in der Hand meine Gralsritter anzufeuern, bin ich erstmal sprachlos… So eine Regel wird wohl einfach gestrichen werden?! „Für die Herrin!“

Alles in allem bin ich aber doch zuversichtlich, dass GW hier noch mehr in petto hat und die nötigen Klarstellungen veröffentlicht. Auch für die Turnierszene habe ich eigentlich wenig Bedenken. Beschränkungen werden sich aus der Anzahl von Modellen und Einheiten sowie Einheitentypen zusammensetzen oder es wird einfach wieder eine Punktematrix erstellt werden. Möglichkeiten gibt es genug, die beste wird sich etablieren.

Mit freundlichen Grüßen

-kleiner gargoyle

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Eine Antwort

  1. Pingback: Age of Sigmar: Hat AoS mit Beschränkungen und Szenarien eine Zukunft? | Kleiner Gargoyle

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