Tabletop Hobbyblog

Über Tabletop: Überangebot und Zerstreuung (Teil 2)

Im letzten Beitrag meiner Reihe Über Tabletop: Vielfalt und Toleranz (Teil 1) hatte ich schon erwähnt, dass es noch nie ein so vielfältiges Angebot an Modellen und Spielsystemen gab wie heute. Das ist jetzt natürlich eine subjektive Wahrnehmung ohne belegte Zahlen, aber eine, die wir – glaube ich – alle teilen. Es gibt eine zunehmende Zahl von Unternehmen und Miniaturen-Herstellern, die eigene Modelle bzw. Modellteile herstellen, um vermehrt auch eigene Spielsysteme zu veröffentlichen. Gefühlt gibt es eine Flut von Tabletop-Projekten, seien es ausgefallene Modelle, Spielsysteme oder Brettspiele, die über Plattform Kickstarter via Crowd-Funding finanziert werden. Hinzu kommt, dass Brettspiele zunehmend die Trennlinie zum Tabletop-Bereich einreißen und als Skirmisher bezeichnet werden können. Wie schon in Teil 1 der Serie erwähnt, ist das für Hobbyisten, Maler und Spieler begrüßenswert, denn sie können ihre Fraktionen, Banden und Armeen nach eigenem Belieben gestalten.

Auch aus rein spielerischer Sicht ist die Vielfalt an Spielsystemen begrüßenswert. Jedes neue System weist in der Regel ein Alleinstellungsmerkmal, also mindestens eine neue Spielmechanik, auf. Insgesamt ähneln sich viele Spielsysteme trotzdem, auch weil niemand das Rad neu erfinden wird und es auch nicht muss. Doch schon allein der Wechsel des Hintergrunds (z.B. Mittelalter vs. Zukunft) und damit zusammenhängende spielerische Veränderungen (z.B. Gewichtung Nahkampf vs. Fernkampf) genügen manchmal schon, um das Spielerlebnis zu verändern. Die Fülle an Neuerscheinungen und neuen Spielsystemen ist gut, denn so halten neue innovative Spielmechaniken Einzug in den gesamten Tabletop-Bereich. Über kurz oder lang werden die Vor- und Nachteile eines jeden Spielsystems und einer jeden Spielmechanik darüber entscheiden, ob sich das System durchsetzen kann.

Nichtsdestotrotz unterstützt das aktuelle Überangebot auch eine Tendenz, um nicht zu sagen, sie birgt eine Gefahr, der man sich bewusst sein sollte: die Zerstreuung der Spieler. Da jedem Spieler nur begrenzte Freizeit zur Verfügung steht und er deshalb nur eine begrenzte Anzahl von Tabletop-Systemen in regelmäßigen Abständen spielen kann, ist anzunehmen, dass, wenn die Anzahl der gespielten Tabletop-Systeme zunimmt, auch die Anzahl der Spielgruppen zunimmt, sofern wir von einer  konstanten Spieleranzahl ausgehen. Als Resultat nimmt die Anzahl der Spieler in den einzelnen Gruppen ab. Auf mögliche Faktoren für Zunahme und Abnahme der aktiven Spielerzahl möchte ich hier nicht weiter eingehen, da diese sehr vielfältig sein können. Aber es ist zu hoffen, dass die Vielfalt an Spielsystemen auch eine größere Zahl von Leuten anspricht und so langfristig mit einer Zunahme der Spielerzahlen zu rechnen ist.

Bis dahin finden sich Spieler zusammen, um jeweils ihr Lieblingssystem miteinander zu spielen. Die Fülle der Tabletop-Systeme erleichtert die Spielersuche aber nicht unbedingt. Realistisch betrachtet werden sich viele von euch im Freundeskreis gemeinsam für ein System entscheiden. Es gibt viele Tabletop-Spieler, die ausschließlich im engen Freundeskreis spielen und das ist auch gut so, denn nicht jeder muss Teil einer größeren Gruppe werden oder auf Turniere fahren. Ich würde jedem trotzdem empfehlen, es auszuprobieren und einmal aus dem gewohnten Umfeld auszubrechen, denn das Hobby lebt vom Austausch zwischen den Spielern. Wird ein Tabletop-System nicht mehr gespielt, bleibt nur noch der Hobbyaspekt und der dazugehörige Austausch, der meist im Internet stattfindet, übrig. Das physische Miteinander-Spielen ist aufgrund von Spielersuche, Treffpunkt- und Terminabstimmung eben nicht nur eine Hürde, die es zu nehmen gilt, es ist auch gleichzeitig das Reizvolle am Hobby, dass man sich noch reell miteinander trifft, austauscht und spielt. Ansonsten bräuchten wir alle nur noch Computerspiele zocken; alleine im abgedunkelten Kämmerlein über Headset und Chat mit der Welt verbunden.

Vernetzung und Austausch zwischen Tabletop-Spielern sind wichtig, insbesondere auch systemübergreifend, denn für die „Szene“ und vor allem für ein Spielsystem selbst ist nichts schädlicher als die Zerstreuung der Spieler. Das prominenteste Beispiel ist derzeit die deutsche 40K-Turnierszene, wo Turnier- und Spielerzahl in der letzten Zeit abgenommen haben. (An dieser Stelle will ich nicht darauf eingehen, ob 40K für Turniere ausgelegt ist. Ganz davon losgelöst, beflügelt ein Organized-Play-Modus ein Tabletop-System ungemein.) Mögliche Gründe dafür und was dagegen unternommen wird, ist wunderschön in zwei 40Kings-Beiträgen beschrieben (Editoral: GW plant (k)eine Turnierserie für 40k, Editoral: GW plant (k)eine Turnierserie für 40k). Die 40K-Spielerschaft ist eine der größten im Tabletop-Bereich und das soeben genannte Beispiel der deutschen 40K-Turnierszene beschreibt das Problem, das eine Zerstreuung der Spielerschaft für ein System darstellt, sehr gut. Sobald ein System in vielen kleinen (isolierten, wenig bis gar nicht interagierenden) Gruppen gespielt wird, ist es vielen Risiken ausgesetzt, die z.B. die Nachwuchsgenerierung und somit letztendlich das Weiterbestehen des Spiels gefährden. Genau aus diesem Grund sind Tabletop-Läden, -Vereine und -Turniere sehr wichtig, denn sie geben Spielern eine Plattform zum Spielen und Austauschen, die auch Außenstehenden und dem Nachwuchs offen steht. Eine Gruppe von Freunden sucht nicht nach weiteren Mitspielern, denn hier steht das Spielen MIT den Kumpels im Vordergrund.

Wie auch immer ihr euer Hobby auslebt, ist richtig, solange es allen Beteiligten Spaß macht. Da Vernetzung und Austausch jedoch so wichtig für Fortbestand und Entwicklung des Hobbys sind, möchte ich euch allen empfehlen, ab und zu aus dem gewohnten Umfeld auszubrechen. Besucht ein neues Turnier oder eine neue Spielergruppe. Tauscht euch aus, insbesondere auch systemübergreifend. Probiert einmal ein neues System aus bzw. nötigt eure Freunde zu einem Testspiel, denn Tabletop geht nur miteinander.

Mit freundlichen Grüßen

-kleiner gargoyle

 

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Eine Antwort

  1. Pingback: Über Tabletop: Nachhaltiges Wachstum (Teil 3) | Kleiner Gargoyle

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